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Julia Alter und Ralf Weis auf Gran Canaria Drucken E-Mail
Geschrieben von: Gabi Gründling   
Freitag, den 26. März 2010 um 20:53 Uhr

Von unseren diesjährigen Fördergrüpplern waren Julia Alter und Ralf Weis beim Trans Gran Canaria. Julia hat einen Bericht geschrieben, zu dem Ralf ein P.S. geliefert hat:

Beim Après-Trail die Landschaft genießen

Maspalomas, 06.03.2010, 00:00 Uhr:

Päng!!! Ab geht die Post. Wir laufen am Strand entlang, wie mühsam das doch ist, aber dies ist ein Trail und wir wollen das so. Zum Glück ist der Sand naß und fest, so dass kaum was davon in die Schuhe gelangt.

Ah endlich, da vorne geht’s auf eine Straße, reicht ja jetzt auch mit dem Strandjogging. Jetzt können die Füße trocknen, wir mussten zuvor durch ein Priel laufen weshalb die Socken und Schuhe nun ordentlich durchgesaftet sind. Doch hoppala, was ist das???

Ich sehe wie sich die Läufer vor mir in ein Flussbett begeben das alles andere als ausgetrocknet ist, nein wir müssen es nicht nur durchqueren sondern seinem Lauf folgen. Mal knöcheltief, mal wadentief, manchmal sogar bis zum Oberschenkel; die Steine sind glitschig, teilweise mit Algen bewachsen, jeder Schritt könnte mit einem Vollbad enden. Mist!, fast abgetaucht...hoffentlich komm ich hier heil wieder raus.

Kalkulationsgedanken: Mensch, hier ist es flach und man kommt nicht vorwärts, später kommen dann die Berge, wie lang werd ich wohl brauchen für dieses Monument von Lauf das scheinbar gespickt ist mit allen denkbaren Gemeinheiten? Ich versuche die Vorstellung zu verdrängen, wie es sein wird dann mit aufgeweichten Füßen weiter über Stock und Stein zu laufen - aber des Ultraläufers Füße sind ja Kummer gewohnt.

Denk nicht so viel – lauf!! sag ich mir, doch ich fürchte: dies wird ein langer Tag. Nach einer gefühlten Ewigkeit scheint das Ende des Planschens in Laufmontur in Sicht zu sein. Wir kommen auf einen komfortablen Feldweg – herrlich dieses neue Laufgefühl. Verdammt, zu früh gefreut, jetzt geht’s in einem Bachbett leicht bergauf, immer wieder kommen Wasserpassagen. Damit’s uns nicht zu wohl wird, gibt’s massenweise Schilf um uns herum, also gebückt im Watschelgang von Stein zu Stein. Meine wohlerzogene Vorderfrau übergibt mir immer das von ihr zur Seite gedrückte Schilf damit es mich nicht peitschenartig trifft – ich bin überwältigt von so viel Anstand und frage mich zugleich ob derartig gute Manieren bei einem Lauf wie diesem angemessen sind.

Irgendwann kommen wir auf einen akzeptablen Weg, es geht nun steiler bergauf auf einen kleinen Pass,...jetzt geht’s lo-hos.... aber nein, ich habe Respekt vor der Länge des Laufes und den Höhenmetern und lasse mich nicht provozieren, laufe schön im Komfortbereich und lasse mich dann beim Bergablaufen geduldig überholen. Der Winter war fies, unmöglich bei dem vielen Schnee halbwegs ernsthaft Berge zu trainieren, also lieber die Muskeln etwas schonen, zumindest am Anfang. Die Nacht ist angenehm. Die obligatorischen Rücklichter an den Rucksäcken der Läufer weisen ihren Nachfolgern den Weg. Doch Vorsicht ist geboten – es soll vorkommen, dass sich ganze Gruppen gemeinsam verlaufen.

An der ersten großen Verpflegungsstation fülle ich Camel meinen Bak mit Iso. Ich habe mich darauf verlassen, dass die angebotenen Getränke trinkbar sein würden, der Rucksack war schon schwer genug, wollte nicht auch noch Iso-Pulver mitnehmen. Etwas leichtsinnig vielleicht. Ich habe mehr Glück als Verstand, sehr lecker, gute Dosierung, schön frisch, perfekter Ananasgeschmack.

Die Wege sind sehr abwechslungsreich, es kommt keine Langeweile auf. Ich treffe auf Julia Böttger, wir laufen zusammen weiter und gabeln meinen Schatz Chris Fatton auf. Ich bin irritiert, ihn zu treffen, wähnte ich ihn doch weit vor mir. Ich glaube, er hat einen schlechten Tag oder Probleme, aber nein, er sagt es geht im gut. Umso besser. Er bleibt am Ball. Wir laufen von nun an oft zusammen, aber keiner wartet auf den anderen, dies ist schließlich keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Mal ist er weiter vorn, mal ich, ...mal ist er gar nicht mehr zu sehen und ich denke jetzt ist er kaputt.

Die Sonne geht auf als ich gerade umgeben von roten Felsen bin, die Aussicht ist grandios, die Vegetation fast zu grün um wahr zu sein. Ich riskiere einen Rundumblick im Laufschritt, auch auf die Gefahr hin über eventuelle Hindernisse zu fallen und mir die Haxen zu brechen. Eigentlich sind wir Naturbanausen – mit Wettkampfgedanken über die Insel zu hecheln. Ich weiß schon jetzt: hier kommen wir nach dem Lauf noch mal her um die Landschaft zu genießen..

Es wird warm, die Sonne scheint, aber es gibt auch immer wieder Wolken und etwas Wind den ich als sehr angenehm empfinde.
Viele Wanderer kommen uns entgegen, ich bin ein bisschen genervt, hätte den Weg lieber für mich alleine – sie applaudieren und feuern uns an.....na ja, sind ja doch nicht so übel diese Ausflügler ;-)

Nach ca. 85 km taucht Chris wieder auf – zäher Hund - ich freue mich sehr. Mir beginnt zu dämmern, dass er heute vielleicht keinen schlechten Tag hat sondern ich einen besonders guten. Die folgenden Bergabpassagen laufen wir flott, vielleicht ein bisschen zu flott für mich in diesem Stadium des Laufes. Die spanischen Läufer sind locker, haben offenbar keinerlei Probleme von Frauen überholt zu werden, im Gegenteil, sie bekunden Beifall und rufen „Ánimo!!“.

Aber warum um alles in der Welt geht’s jetzt immer noch bergauf ?? Ich hatte mir so zurecht gedacht dass es ab km 90 nur noch begab geht. Die Muskulatur brennt beim Hochlaufen, der Schritt ist kurz, trotzdem überhole ich noch Läufer mit grünem Trikot (obligatorisches Kleidungsstück für die Läufer der 123 km-Strecke). Irgendwann rufen Streckenposten und Zuschauer „nur noch 4 km“...wie ist das möglich wir sind noch mitten in der Pampa, das Ziel ist in der Stadt?? Chris fragt mich ob wir zusammen ins Ziel laufen wollen – schöner Zug von ihm - aber dies ist ein Wettkampf, bei dem jeder alles geben soll, auch er. „Geh“ sage ich, „hau ab, lauf um dein Leben“.
Irgendwann geht’s nur noch bergab, auf einer Betonpiste und dann Asphalt, ich gebe auch noch alles, bin am Anschlag. Im Übrigen beginne mir über den mir bevorstehenden Muskelkater Sorgen zu machen.

Nun noch ein bisschen flach laufen, scharf links, gerade aus, scharf rechts und....ah jetzt ja, wir sind in der Stadt, das Auditorium - ein beeindruckender Marmorwürfelpalast auf dessen „Plaza de la Musica“ der Zieleinlauf ist - erscheint nun endlich in voller Größe vor mir - noch einige hundert Meter, aus die Maus, FINITO.

Im Ziel gibt’s leckeres Essen und köstliches Bier, soviel wie rein passt. Sonntags ist Siegerehrung. Wir treffen Ralf Weis, den amtierenden Vize-Weltmeister im 24-h-Lauf. Er hatte Pech dass seine Stirnlampe gleich zu Beginn des Laufs in der Nacht den Geist aufgegeben hat und ist somit unter erschwerten Bedingungen weit unter seinen Möglichkeiten ins Ziel gekommen. Es hat ihm trotzdem gefallen.

Montags kehren Chris, Ralf und ich mit einem Leihauto zum Tatort zurück und können endlich die Landschaft genießen.
Wir spazieren ein bisschen, nun weniger leistungsorientiert, denn wir sind Muskelkater verseucht. Wir amüsieren uns köstlich und lachen uns gegenseitig wegen unserer bizarren Gehweise aus. Wer von uns dreien geht eigentlich am schlechtesten? Chris und ich bleiben noch bis Mittwoch und essen und trinken mehr als gut ist, aber so soll das auch sein, denn: WIR HABEN JA URLAUB.



Und hier noch Ralfs Nachsatz:

...ich habe mich sogar noch bis Freitag auf dieser Insel versucht zu regenerieren....
Nachdem ich bereits eine Woche vorab in den Ardennen mit Mattin Becker und Markus Flick den -La Magnetoise- mit 64 km bei knapp 2000 Höhenmeter bewältigt habe, bin ich erst einmal geheilt von den Trailläufen. Julia Alter ist einfach eine Klasse für sich. Bei so einem Extremlauf eine so extremgute Zeit zu laufen...Hut ab! Das verspricht für die 24h-World Challenge in Frankreich am 13. Mai einiges!!! Auch Julia Böttger war in der "internen deutschen Wertung "mit 18:16h noch besser als der beste männliche Deutsche..... Ralf Weis, Gerald Baudek, Jörg Hafner, Georg Kunzfeld, Guntram Scheida, Jens Vieler, Markus Flick, Rüdiger Thimm, Bernhard Hartinger ....
und einige andere Deutsche mussten noch mal einige Stunden in der Dunkelheit laufen, bevor sie wieder in Las Palmas an der Costa Caldera ins ersehnte Zielgelände einliefen. Wer noch mehr Berichte oder einige schöne Bilder von der Strecke sehen möchte, der kann sich von Jens Vieler bzw. Julia B.,auf deren Seiten, www.jensgehtlaufen.de oder www.trailschnittchen.de inspirieren lassen. Für geübte Trailenthuisiasten sicherlich eine echte Herausforderung für das Jahr 2011... 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. März 2010 um 21:07 Uhr
 
 
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