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Yukon Arctic Ultra 2006
Wieder haben wir einen Yukon Arctic Ultra gemeistert. Und jedes Jahr denke ich, nächstes Jahr ist es Routine. Das werde ich mir nun endgültig abschminken. Denn selbst die 4. Ausgabe des kältesten und härtesten Rennens der Welt hat uns wieder mit neuen Herausforderungen überrascht.
Herausforderung Nr.1 war dabei das warme Wetter vor dem Start und während der ersten Tage unseres Abenteuers. Soviel zum Thema "kälteste .". Doch das warme Wetter bringt leider mehr Nach- als Vorteile. Zum Teil hatten wir nur wenig Schnee auf den Trails im Süden. Auf den Flüssen und Seen mussten die Teilnehmer oft über blankes Eis. Und nie zuvor hatten wir derart viel Overflow (d.h. Wasser über der ersten Eisschicht). Eine weitere Schwierigkeit waren dieses Mal die Markierungen des Yukon Quest. Wenn wenig Schnee liegt, bleiben die Marker nicht im Boden stecken. Wir haben versucht, an entscheidenden Stellen mit Sprühfarbe nachzuhelfen. Nachts hat das für die Teilnehmer jedoch nicht immer funktioniert.
Besonders der Trail von unserem ersten Checkpoint, der SIR North Country Ranch, zu unserem zweiten Checkpoint, dem Dog Grave Lake, hat den Teilnehmern alles abverlangt. Michael Odenwald musste hier leider wieder aufgeben. Michael war schon in 2005 beim YAU am Start und wollte es noch einmal wissen. Auch Tobias Modl, der als Mountainbiker dabei war, musste vor Braeburn das Rennen beenden. Er musste sein MTB viel schieben und hat sich dabei verletzt. Leider waren für Tobias schon die Tage vor dem Rennen sehr stressig. Sein Spezialbike aus Alaska kam nicht rechtzeitig in Whitehorse an. Nur durch die Hilfe von Thomas Muhler, der ein zweites Bike dabei hatte, konnte Tobias überhaupt das Rennen antreten. Er wird es wieder versuchen. Vielleicht nicht in 2007, aber er kommt wieder, sagte er nach dem Rennen.
Thomas Muhler hatte 2005 über die 320 Meilen bereits eine super Leistung gezeigt. Er war angetreten um "nur" die 100 Meilen zu packen. Das hat er wieder super geschafft. Nach 32 Stunden und 15 Minuten erreichte er als dritter Teilnehmer das Finish in Braeburn. Jetzt ist Thomas gerade mit dem Mountainbike auf dem Weg ins 1.000 Meilen entfernte Tuktoyaktuk. Der Mann ist nicht zu bremsen.
Stopp. Jetzt habe ich ganz den Marathon unterschlagen. 7 Starter haben es dieses Jahr gewagt. Gesiegt hat Marathon-Mann Han Frenken aus den Niederlanden in einer Zeit von 4:52. Platz 2 ging an Polly Thorp (4:55) aus Whitehorse und Platz 3 an Rosemary Plaskett (5:23), ebenfalls aus Whitehorse. Alle Marathon-Starter hatten einen großen Spaß. Für die Mädels aus Whitehorse (alle über 50 Jahre) war es der erste Marathon! Nach den Gesichtern im Zieleinlauf zu urteilen, war es sicher nicht ihr letzter Lauf über diese Distanz.
Zurück zu den 100 Meilen. Sieger wurde Jonathan Lucas mit seinen drei Hunden. Wir waren nicht sicher, wie es Jon ergehen würde, da der Trail nicht ideal war. Doch der britische Auswanderer war begeistert. Er hat die Strecke in 27:58 geschafft und möchte in 2007 unbedingt die 320 Meilen versuchen. Mit dabei war immer Carolynne, unsere Tierärztin. Sie kontrollierte die Hunde an den Checkpoints und hatte nichts zu bemängeln. Ein toller Erfolg also für Jon und sein Team.
Der schnellste Läufer und Zweitplatzierte in der Gesamtwertung war Mike Scherman aus Kanada. Kein Wunder bei dem Trainer. Ray Zahab, der in 2004 die 100 Meilen für sich entscheiden konnte, hat Mike mit den richtigen Tipps geholfen. In 31:41 erreichte er das Finish.
Unsere Skilangläufer, Ian Thompson und Alan Chambers, hatten sich nach dem Marathon entschlossen aufs Laufen umzusteigen. Ian hatte enorme Blasen. Er hatte in den Langlaufschuhen nicht lange genug trainiert. Damit wartet der YAU immer noch auf einen guten Athleten, der zeigt, dass dieser Rennkurs auch auf Skiern zu meistern ist!
Mit dem Überschreiten der 100-Meilen-Marke kam auch die Kälte. Und noch mehr Leiden. Für einige Athleten über diese Strecke war jedoch schon vor oder in Braeburn das Rennen beendet. Blasen an den Füßen, aufgescheuerte Haut oder Entzündungen zwangen mehrere YAUler zur Aufgabe. Doch Klaus Schweinberger aus Österreich und die beiden Deutschen, Tom Wolter-Roessler und Joachim Rintsch, konnten die verbleibenden 220 Meilen ohne große Probleme angehen. Sie waren optimal vorbereitet, immer gut gelaunt und haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Natürlich war es auch für sie extrem anstrengend. Auf dem Teilstück von Pelly Crossing nach Pelly Farms hat Klaus zum Beispiel immer Brücken gesehen. Er hat also halluziniert. Das ist bei unseren Athleten zu diesem Zeitpunkt des Rennens recht weit verbreitet. Klaus hat den Kampf gegen die Müdigkeit gewonnen und nach 177 Stunden 36 Minuten als 10. Athlet das Ziel erreicht.
Tom musste 2005 vor Pelly Crossing aufgeben. Dieses Mal nicht. Er erreichte nach 178:43 Pelly Crossing. Seine Strategie hat hervorragend funktioniert. Tom hat lange geschlafen und sich somit immer gut erholt. Dazwischen hat er auf dem Trail Tempo gemacht. Er belegte Platz 13.
Last but not least, Joachim. Am ersten Tag des Rennens habe ich mir schon gedacht, das Fisse (Joachims Spitzname) einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen will. Er war sehr schnell im Ziel. Doch danach hat er routiniert die Distanz bewältigt und wie immer Wert darauf gelegt, die Natur und das Abenteuer mit allen Sinnen zu genießen. Meistens wenn ich Joachim getroffen habe, dann machte er gerade Pause . Teepausen, Zigarettenpausen, . Ich könnte ihn auch Magic Fisse nennen, denn so unbeschwert, wie er, schafft die 320 Meilen fast niemand. Mit seiner dritten erfolgreichen Teilnahme und Platz 14 hat er auch einen Rekord aufgestellt. Und man munkelt, dass es in 2007, auf den 460 Meilen nach Dawson, ein Wiedersehen geben wird. Das gilt auch für Tom. Klaus war sich da noch nicht sicher. Warten wir einmal ein paar Wochen .
Für kurzzeitigen Stress hat 320 Meilen-Sieger Andrew Matulionis aus den USA gesorgt. Er war so schnell, dass ich ihn beinahe nicht mehr eingeholt hätte. Bis zu 4 Checkpoints mussten wir offen haben, um mit Andrew mithalten zu können. Auch er hat etwas Besonderes geschafft. 2003 hat er schon die 100 Meilen für sich entscheiden können und nun hat er mit der Zeit von 129:40 den Rekord von Andrew Barnett um mehr als 15 Stunden verbessert!
Dicht auf den Fersen war ihm Stuart Gillett aus England. Der Wüstenfuchs hat bewiesen, dass ihm auch die Kälte nichts anhaben kann. In 132:22 erreichte er das Finish. Bruce Thompson, ebenfalls USA, schaffte in 145:55 Platz 3. Besonders bemerkenswert ist, dass die drei trotz des hohen Tempos sehr fit in Pelly Crossing angekommen sind.
Leider mussten nach Braeburn auch noch zahlreiche Teilnehmer aufgeben. Insgesamt 15 Starter haben das Ziel nicht erreicht. Einige von ihnen werden es in 2007 wieder versuchen.
Bleibt mir nur noch, mich bei allen Athleten zu bedanken! Ihr wart super und es hat großen Spaß gemacht. Danke auch an mein Orga-Team, Mike und Jessica Simon und Shelley Gellatly, die Schneemobil-Guides Thomas, Gary und Murray, die vielen freiwilligen Helfer, unsere Checkpoint-Gastgeber und natürlich an unsere Sponsoren und Förderer!
Nun noch eine kurze Info zum YAU 2007. Es wird für den Yukon ein sehr ereignisreicher Winter werden, denn die Canadian Winter Games kommen nach Whitehorse. Für uns bedeutet das ein enges Timing. Ab 21.02. gibt es im Yukon keine Hotels- und Mietwagen mehr. Noch haben wir den Starttermin nicht. Für den Marathon und die 100 Meilen wird es kein Problem. Bei den 300 Meilen wird es knapp, d.h. nach dem Rennen bleibt nicht viel Zeit zur Erholung vor Ort - zumindest nicht in einem Hotel in Whitehorse. Für die 460 Meilen ist es kein Problem, da wir in Dawson finishen und von dort dann direkt zum Flughafen in Whitehorse fahren können. Sobald ich den Termin für 2007 habe, schicke ich ein kurzes Update.
Robert Pollhammer
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