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Mit dem deutschen Nationalteam unterwegs im Schwarzwald Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dr. med. Stefan Hinze   

Wegen des durch den Nationalfeiertag verlängerten Wochenendes vom 3.-5. Oktober beschloss das deutsche Nationalteam der Männer im 24 Stundenlauf, einen langen Trainingslauf in drei Etappen im Schwarzwald durchzuführen.Der Lauf fand auf großen Teilen des Westweges, der von Pforzheim nach Basel über 285 km über die Höhen des Schwarzwaldes verläuft, statt und sollte der Vorbereitung auf die in zwei Wochen anstehende 24 Stunden World Challenge in Seoul/Korea dienen. So trafen sich am Freitag pünktlich um 9.00 Uhr am Karlsruher Hauptbahnhof Friedemann Hecke, Ralf Steißlinger, Michael Irrgang, Jens Lukas und Andreas Baier, um die anstrengenden Tage in Angriff zu nehmen. Auch ich hatte das Glück, an dieser gemeinschaftlichen Aktion teilhaben zu können. Nicht zu vergessen Curly Lukas, die 12 jährige Huskydame, die ebenfalls die gesamte erste Etappe laufend absolvierte.

Erster Tag: Karlsruhe-Baiersbronn/Hinterlangenbach 72 km

Wasseraufnahme am HexenbrunnenFriedemann

Mit gepackten Rucksäcken, in denen sich für die drei Tage die benötigten Utensilien befanden, starteten wir in Karlsruhe. Ich muss allerdings fairerweise einräumen, dass sich auf meinem Rücken der mit Abstand kleinste Rucksack befand, nicht etwa zur Wahrung der Chancengleichheit, wie man eventuell glauben könnte, sondern weil ich meine Sachen zuvor per Post an die Pension nach Hinterlangenbach geschickt hatte.
Freundlicherweise wollte Maya Lukas, die auch als offizielle Betreuerin durch den DLV für Seoul nominiert wurde, den Transport übernehmen. Sie hatte allerdings noch eine Mission beim gründlingschen Sechs-Stundenlauf in Kleinkarlbach zu erfüllen und konnte deshalb erst spät abends zu uns stoßen.
Bis nach Bad Herrenalb verlief der „Zubringer“ zum Westweg relativ eben und wir kamen gut voran. Einzelne Regenschauer taten der guten Stimmung keinen Abbruch. Der Anstieg im Nebel zur Hohloh auf knapp 1000 m war da schon etwas unangenehmer, aber immerhin boten sich in den Nebellücken immer wieder schöne Ausblicke in die Rheinebene. Sehr unwegsam wurde es dann auf dem Abstieg auf einem Kreuzweg nach Forbach, wo eine Konditorei um einige Kuchenstücke und zahlreiche Tassen Kaffee erleichtert wurde.
Vielleicht war das eine oder andere Stück dann doch zuviel, jedenfalls ging es aus Forbach wieder stramm bergan in Richtung Badener Höhe. Auf diesem Teilabschnitt machten sich meine Oberschenkel erstmals bemerkbar, zumal sich der Untergrund nun endgültig in einen Trailpfad verwandelt hatte. Das Wetter wurde zunehmend ungemütlicher mit Nässe und Kälte. Hinterlangenbach erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit, nachdem wir einen eifrigen Teilnehmer noch beherzt vom Lauf über die Hornisgrinde abhalten konnten. In strömendem Regen erreichten wir unsere Pension, wo die Wirtin, Frau Züfle, uns bereits erwartete. Für sie, die sie die Familie Lukas schon länger kennt, war unser Lauf von Karlsruhe keine Besonderheit mehr und sie freute sich offensichtlich, uns als ihre einzigen Gäste beherbergen zu können.
Nach dem Duschen stellte sich der Gang zur Gaststätte, der etwa 250 Meter betrug (allerdings sicherlich auch 20 Höhenmeter), als eine gewisse Anstrengung heraus.

Zweiter Tag: Hinterlangenbach – Hausach 52 km

Nach dem nächtlichen Dauerregen konnte man bereits beim morgendlichen Blick aus dem Fenster erahnen, was da auf uns zu kommen sollte. Überall rann das Wasser die Felsen herunter und hatte die schmalen Wanderwege in kleine Bäche verwandelt. Damit aber nicht genug: Auf den Höhenlagen war eine Schneedecke angesagt worden, was ich zunächst mal für ein Gerücht hielt.

Friedemann, Andreas, Ralf, Michael, Jens, Stefan, CurlyAlexanderschanze

Beim Anstieg zur Schwarzwaldhochstrasse wurde es immer kälter. Von oben und unten kam nun die recht frische Feuchtigkeit und auch der Nebel war von erstklassig dichter Qualität.Kurzum: ideale Laufbedingungen. Gut, dass mit Jens, Ralf und Andreas gleich drei ortskundige Läufer mit von der Partie waren.Am Schliffkopf angekommen, genossen wir den Panoramanebelblick und fortan kamen wir nur noch langsam voran wegen des Schneematsches, der die Trailpassagen mitunter doch recht glitschig werden ließ. Am ehemaligen Hotel Alexanderschanze freuten wir uns über Maya und eine unverhoffte Verpflegung mit warmen Tee und Gebäck. Lange aufhalten konnte man sich allerdings wegen des kalten Windes nicht.

Start in HinterlangenbachAlexanderschanzeFreiersberg

Maya trafen wir noch einmal am Freiersberg. Eine längere Rast war dann im Bauerngasthof Hark geplant. Gerade dort angekommen, öffnete der Himmel erneut seine Schleusen – Glück gehabt. Die Küche in diesen Schwarzwälder Gasthöfen ist doch recht deftig und als Vegetarier konnte ich mich einiger skeptischer Bemerkungen nicht enthalten. Die überall erhältliche „Flädliesuppe“ (eigentlich Flädlesuppe) hatte es Michael angetan. Über die anderen mitunter erhältlichen Gerichte möchte ich hier dezent den Mantel des Schweigens ausbreiten.
Irgendwann musste man dann ja auch wieder weiterlaufen. Natürlich steil bergauf, was sonst mit gefülltem Magen. Aufgrund der Verzögerungen durch die widrigen Bedingungen (nein, so lang waren die Pausen auch wieder nicht) beschlossen wir, die geplante Route zu verkürzen und von Hausach mit der Bahn und dem Bus, vorbei an der größten Kuckucksuhr der Welt,  zu unserem Nachtquartier nach Schonach zu fahren. Mir war’s recht, denn so blieb mir der schwere Anstieg auf den Farrenkopf erspart. Dennoch war dieser Tag sehr anstrengend und wir waren froh, uns nach dem Abendessen in unsere Familiensuite zurückziehen zu können (Maya und Jens im Elternschlafzimmer).

Dritter Tag: Schonach – Feldberggipfel 62 km

Blauer Himmel, Sonnenschein und Raureif auf den Dächern – das war der Blick aus dem Fenster, nachdem uns die Kirchenglocken geweckt hatten. Selbstverständlich ging es auch am Sonntag bei eisigem Wind zunächst bergan, vorbei an der Martinskapelle, wo der erste Schneemann dieses Winters aufgerichtet war,  bis hinauf auf den Brend (1148 m). Von dort konnte man bei klarer Sicht den schneebedeckten Feldberg sehen. Nun ging es auf einer Hochebene mit immer wieder herrlichen Ausblicken, unter anderem auch auf die Alpen, bis zum geplanten Halt im Gasthof Thurner bei St. Märgen.

In SchonachBlickauf den Feldberg


Auf dem anschließenden Abschnitt nach Titisee konnten wir dann noch einmal ausgiebig die matschigen Wanderwege des Schwarzwaldes begutachten. Einer schaute da ganz genau hin. Vom Titisee aus, wo sich die Mitglieder der Nationalmannschaft wegen der erheblichen Masse japanischer Touristen schon mal einen Eindruck vom asiatischen Flair einer Stadt verschaffen konnten, begann dann der letzte lange Anstieg zum Feldberg. Das härteste Stück Arbeit stand uns dann von der Passstraße bis zum Gipfel bevor. Nicht nur die Steilheit des Weges, sonder auch die Schneemenge und der Wind forderten einem Jeden Einiges ab. Der Rundumblick mit Alpenpanorama entschädigte allerdings für diese Strapazen.
Nun noch schnell zum Parkplatz, wo uns Maya bereits erwartete. Umziehen und nach Karlsruhe, wo wir gegen 21 Uhr ankamen.

Fazit: Ein sehr schönes Gemeinschaftserlebnis mit hohen sportlichen und mentalen Anforderungen (besonders beim Studieren der Speisekarten). Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften kann man als gelungen bezeichnen. Ich wünsche den deutschen Startern viel Erfolg und werde fest die Daumen drücken.

 

Stefan Hinze 10/08

 
 
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