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„In einer Zeit, in der der Materialismus mehr und mehr voran schreitet, ist der Spartathlon ein gutes Beispiel für einen Altruismus (=Gegensatz zum Egoismus und zur Selbstsucht, bedeutet Uneigennützigkeit, Denken an und Handeln für anderer Wohl). Hier zählt der olympische Gedanke in seiner reinen Form“
Mit diesen Worten beschreibt Panagiotis Tsiakiris, Präsident der Internationalen Spartathlongesellschaft (ISA), in einem Videofilm das 246 Kilometer lange Rennen von Athen nach Sparta, dessen Ursprung auf einen Lauf des Athener Boten Pheidippides 490 v. Chr. zurück geht. Mehrfach schaute ich mir dieses Video an und war beeindruckt über die Leistungen der Athletinnen und Athleten. Besonders die emotionalen Zielankünfte in Sparta ließen mich über eine eigene Teilnahme nachdenken.
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| Einkäufe müssen erledigt werden... |
...doch wo ist der Supermarkt? |
Schließlich entschloss ich mich, einen Start in Griechenland zu wagen. Mein Respekt vor der Strecke war immens, denn bislang hatte ich keine Läufe jenseits der 100 Kilometermarke absolviert. Meine Vorbereitung war nicht anders als vor einem 100 Kilometerlauf. Lediglich in der vierten und dritten Woche vor dem Lauf absolvierte ich sechs Läufe zwischen 60 und 70 Kilometer im geplanten Renntempo (5:45-6:00 min/km).
Bei der mentalen Vorbereitung waren mir mit Marika und Jens zwei ausgewiesene Spartathlonexperten behilflich. Als sich dann auch noch mein Sohn Philip kurzfristig bereit erklärte, meine Betreuung während des Laufes zu übernehmen, war ich zuversichtlich, das Unternehmen erfolgreich zu bestehen. Dabei stand für mich von Anfang an das Ankommen im Vordergrund. Den Zieleinlauf in Sparta im Zeitlimit zu schaffen und nach dieser unvorstellbar langen Distanz den Fuß der Statue des Königs Leonidas zu berühren, das war mein größter Wunsch.
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Vor dem Lauf: die Läufer (angespannt)...
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...die Betreuer (locker) |
Als ich dann zum Frankfurter Flughafen fuhr, wurde mir bereits das erste Mal etwas mulmig zu Mute. Dort traf ich auf Philip und Jens. Außerdem hatten Anja Hoier und Armin Wunder auch den gleichen Flug gebucht. In Athen hatten wir uns einen Leihwagen gemietet und fuhren auf „kleineren“ Umwegen zum Hotel. Am folgenden Tag war noch Zeit, Einkäufe zu erledigen und sich seiner Nervosität hinzugeben.
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| Spartanisches Frühstück mit Marika, |
Markus (Thalmann)und Stefan |
Der Start erfolgte am Freitag Morgen am Fuß der Akropolis. Ich war mit dem Bus vom Hotel zum Start gefahren. Philip schaffte es leider nicht, dem Bus zu folgen und erreichte den Start nicht mehr pünktlich, was mich etwas beunruhigte. Nach dem Startschuss nahm das Feld recht schnell Tempo auf. Matthias Dippacher und Jens Lukas liefen etwas schneller, ich blieb lieber zunächst einmal zurück und gesellte mich zu Marika, die übrigens in einem Ouffit lief, das die griechischen Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinriss. Schwarzer Laufrock und pinkfarbene Socken und Stirnband. „Da kommt Barbie!“
Wir liefen die ersten 25 Kilometer zusammen durch zum Teil dichten Verkehr auf der Autobahn hinaus aus Athen. Ich war immer noch nicht ganz entspannt, da Philip noch nicht aufgetaucht war, aber bei Kilometer 32 überholte er mich und endlich konnte ich etwas beruhigter weiterlaufen.
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| Party auf der Strecke: Jens, Ando Masano (JPN) und Stefan |
„Miss Barbie“ Marika gut in Form |
Etwa bei der Marathondistanz traf ich wieder auf Jens, Matthias war auf und davon. Bis nach Korinth (80 km) liefen wir nun auf der Küstenstraße entlang. Mittlerweile war es unsäglich heiß geworden, die Thermometer an der Strecke zeigten mehr als 30 °C. Ich trank immer wieder kleine Schlucke aus meiner Flasche, die sich im Trinkgurt befand. Durch die Hitze wurde es aber immer schwieriger, Nahrung und Trinken aufzunehmen. In Korinth war gerade ein Drittel des Rennens absolviert, aber ich fühlte mich schon etwas elend, was meinen Magen betraf. Ab Korinth durften dann auch die Betreuer an bestimmten Verpflegungspunkten die Betreuung übernehmen. Für mich war es immer eine willkommene Abwechselung und auch Motivation, Philip zu sehen. Auf dem Peloponnes war endlich der Autoverkehr geringer und die Landschaft abwechselungsreicher. Meine Magenprobleme dauerten an und Jens setzte sich zwischenzeitlich etwas ab. Er empfahl mir, etwas langsamer zu laufen, um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen.
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| Optimale Verpflegung für Matthias – während des Wettkampfes und auch danach |
Bei der Hälfte der Strecke, in Nemea, trennten wir uns dann endgültig. Philip hatte einige Büchsen kühles alkoholfreies Bier besorgt und ich trank davon, was mir ausgesprochen gut bekam. Auch Matthias, den wir in Nemea wieder trafen, war vom Bier begeistert. Nun setzte auch langsam die Dunkelheit ein und das Laufen wurde wesentlich angenehmer. Ich war mit Matthias unterwegs, der dann aber leider nach etwa 150 Kilometern wegen wundgescheuerter Oberschenkelinnenseiten aufgeben musste.
Die Nacht war für mich eine Wohltat, denn meine Magenprobleme wurden viel besser. In Kapparelli, einem kleinen Ort am Beginn des schweren Aufstieges zum Sangaspass, wurde eine Gemüsenudelsuppe als besondere Verpflegung für die zahlreichen japanischen Teilnehmer angeboten. Ich trank zwei Becher und fühlte mich wieder frisch. Die Straße zum Pass war ziemlich steil, aber noch problemlos zu laufen.
Beim Einstieg in den Pass befand sich noch einmal eine Verpflegungsstelle, bei der ich Philip traf. Die Piste zum Pass war ein steiniger steiler schmaler Pfad, der mit grünen Leuchtstoffröhren markiert war. Leicht schockiert vom Weg zum vermuteten Gipfel, stapfte ich los. Der Aufstieg war aber besser als erwartet. Am Gipfel wurde es ziemlich kühl, so dass ich mich dort nicht lange aufhielt. Der steile Abstieg in der Dunkelheit gestaltete sich nicht ungefährlich, die Stirnlampe war ein unentbehrliches Utensil. Ich war froh, wieder Asphalt unter den Schuhen zu haben und lief nun wieder schneller und überholte einige Läufer.
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| Nur noch diese drei Stufen... |
zum wahren Glück |
Dann folgte eine sehr einsame Zeitspanne ohne Mitstreiter, die nächste Verpflegungsstelle für Betreuer lag fern. Es dauerte noch lange, bis sich endlich die Morgendämmerung einstellte. Dafür begann es zu regnen. 40 Kilometer vor dem Ziel lief ich wieder zu Jens auf und wir beschlossen, den finalen Marathon gemeinsam zu bestreiten. Zeit und Platzierung waren für mich inzwischen vollkommen unerheblich, denn ich wollte nur noch nach Sparta. Einzig durch diesen Willen war es mir zu diesem Zeitpunkt noch möglich, meine lädierten Beine in Bewegung zu halten. In Sparta stieß dann noch der Ungar Jozsef Cserpak zu uns und wir berührten gemeinsam als Elfte den Fuß der Statue des Leonidas. Jens, dreimaliger Sieger des Spartathlons, wurde von den griechischen Zuschauern gefeiert. Ich hatte mir im Vorfeld so oft ausgemalt, mit welchen Gefühlen ich das Ende des Rennens erlebe und nun war es doch ganz anders. Es war eine einzige Erleichterung, dass die Anstrengungen zu Ende waren, darüber freute ich mich in diesem Moment am meisten.
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| Der Präsident der ISA Panagiotis Tsiakiris gratuliert den Finishern |
hier wieder in ‚zivil’ |
Ich wurde in das Sanitätszelt geführt und dort auf eine Liege gebettet. Das war ein großer Fehler. Während des gesamten Rennens hatte ich nur ein Mal kurz gesessen, um einen Stein aus meinem Schuh zu entfernen. Nun lag ich dort und sollte wieder aufstehen, um zum Hotel zu fahren. Es ging nicht mehr. Kein Schritt gelang. Vor 15 Minuten war ich noch laufend nach Sparta gekommen und nun... Die Krankenschwester schleppte mich mit Philips Hilfe zum Auto. Unser Hotel lag etwas außerhalb. Dort wurde ich in unser Zimmer geleitet. Philip war mir beim Duschen und Umziehen behilflich. Allein wäre es unmöglich zu schaffen gewesen.
Die Siegerehrung – die Zeremonie verdiente diese Bezeichnung – fand unter freiem Himmel in Sparta statt. Eine sehr stimmungsvolle Veranstaltung. Hier trafen wir auch auf Marika und Bruno. Marika hatte ab Kilometer 80 schwer zu kämpfen und war sehr glücklich über ihr Finish, auch wenn sie erheblich mehr Zeit benötigte als im Vorjahr. Matthias plante bereits einen erneuten Versuch für das kommende Jahr.
Am folgenden Montag Abend fand dann die Ehrung der Finisher in Athen im Rahmen eines Banketts statt. Jeder Läufer, der das Rennen erfolgreich beendet hatte, wurde geehrt. Kaum jemand fragt nach der gelaufenen Zeit oder der Platzierung. Wer im Zeitlimit ankommt, genießt großen Respekt - die olympische Idee. Dennoch gab es Leistungen, die herauszuheben sind. Mario Reichelt platzierte sich als bester Deutscher in den Top Ten. Über Marika und Jens habe ich bereits berichtet. Anja Hoier finishte nur zwei Wochen nach ihrem 24-Stunden-Lauf in Bernau in einer sehr guten Zeit und auch dem DUV-Sportwart Wolfgang Olbrich gelang im dritten Anlauf der Triumph.
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| Am Tag nach dem Rennen (Stefan und Philip) – absolut happy |
Für mich war der Spartathlon ein beeindruckendes Lauferlebnis. Mein Dank gebührt in erster Linie meinem Sohn Philip für seine perfekte Unterstützung.
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