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Comrades Marathon am 15.06.2008 von Durban nach Pietermaritzburg
Im Jahre 1993 las ich zum ersten Mal etwas über den Comrades Marathon in Südafrika. Damals war nach dem Ende der Apartheid der Sportboykott aufgehoben und internationale Athleten konnten an diesem größten Ultramarathonlauf der Welt zwischen Durban und Pietermaritzburg teilnehmen. Burkhard Lennartz, 1992 Deutscher Meister im 100 km Lauf, hatte einen Erlebnisbericht in der ‚UltraMarathon' geschrieben, der das Laufevent sehr schön beschrieb undsicherlich bei vielen Lesern neben mir Interesse weckte.
Mit Charly Doll siegte 1993 ein Deutscher auf der 89 Kilometer langen Strecke, die in den ungeraden Jahren als Bergabvariante von Pietermaritzburg an den Indischen Ozean nach Durban gelaufen wird. In den geraden Jahren geht es dann hinauf.
Nach 15 Jahren war es dann endlich soweit und ich trat die langen Reise zum südlichen Ende Afrikas an. Nach einer Reisedauer von insgesamt 18 Stunden traf unsere aus 14 Personen bestehenden Reisegruppe am Donnerstag vor dem großen Ereignis im Durbaner Hotel ein. Zuvor hatte uns der südafrikanische Reiseleiter Frans, vor dem Ende der Apartheid im diplomatischen Dienst in Frankfurt angestellt, vom Flughafen abgeholt. Er kannte den Comrades Marathon bislang nur aus dem Fernsehen. Seine Begeisterung für den Lauf sollte sich im Verlauf der Zeit noch ganz erheblich steigern.
Am Nachmittag wurden die Startunterlagen vom Kongresscenter abgeholt. Insgesamt lagen über 11.000 Anmeldungen vor, davon mehr als 400 von so genannten Overseas. Alles gestaltete sich sehr entspannt, kleinere Probleme konnten rasch gelöst werden.
Am folgenden Tag wurde dann eine Streckenbesichtigung vorgenommen, bei der markante Punkte der Route genauer inspiziert werden konnten. Die ‚Wall of Honour' mit vielen Namensschildern von prominenten und weniger bekannten Teilnehmern war dabei eine Attraktion, aber auch der Besuch der Ethembeti-Schule, in der körperlich behinderte Schülerinnen und Schüler sowie Zulu-Kinder mit einer Pigmentstörung der Haut unterrichtet werden, stand auf dem Programm. In Pietermaritzburg suchten wir den einmaligen Zielbereich auf, der durch freiwillige Helfer in einer dreiwöchigen Arbeit errichtet worden war. Zudem erfolgte der obligatorische Besuch des Comrades-Marathon- Museums, in dem unter anderem zahlreiche Bekleidungsstücke von den Helden des Laufes ausgestellt sind.
Zurück in Durban unternahm die Gruppe noch einen kurzen lockeren Lauf entlang der Strandpromenade von Durban. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Durban auch in Hinblick auf die Fußball-WM ernorm sind.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Ruhe. Lediglich ein kleiner Teil der Gruppe wagte einen Ausflug in ein Zuludorf jenseits von Pietermaritzburg. Alle versuchten natürlich möglichst früh am Abend im Bett zu verschwinden, denn am Sonntag war ja der Start um 5.30 Uhr.
Pünktlich um 3.30, geweckt durch unzählige Wecker unterschiedlichster Klänge, sprangen alle Helden in spe aus ihren Hotelbetten und in Rennbekleidung fand man sich zum Frühstück ein. Selbstverständlich war das gesamte Hotelpersonal bereit, uns Läufern die letzten Minuten vor dem Start so angenehm wie möglich zu gestalten. Etwa 45 Minuten, bevor der Startschuss fallen sollte, gingen wir gemeinsam zum Startort auf einer abgesperrten vierspurigen Ausfallstraße. In der Dunkelheit sah man schon von der Ferne die ungeheuren Menschenmassen, die in den einzelnen Startblocks Aufstellung genommen hatten. Nun galt es, von den Bekannten Abschied zu nehmen und im zugeteilten Block einzuchecken. Als kurz vor dem Start dann aus Tausenden von Kehlen die südafrikanische Nationalhymne und anschließend das mehrstimmig intonierte Shosholoza, ein traditionelles Zulu-Lied, erklang, wurde mir doch etwas mulmig zu Mute, aber nun gab es kein Zurück mehr. Der Startschuss erfolgte und schon sausten die Läufer meines Blockes, aber auch Jene des folgenden Blockes in einem Tempo an mir vorbei, als sei es ein Lauf über 10 Kilometer und kein Ultramarathon.
Bereits am Start befanden sich Unmengen von Zuschauern, die uns Läufer begeistert anfeuerten. So ging es dann auf der Autobahn stadtauswärts. Es kam zu einigen Stürzen, denn die in die Straße eingelassenen Reflektoren waren im Dämmerlicht leicht zu übersehen. So waren später an Knien und Ellenbogen zahlreicher Läuferinnen und Läufern Schürfwunden festzustellen.
Aufgrund der breiten Straße hatte ich einen guten Überblick über das Renngeschehen vor mir und stellte verwundert fest, dass sich nach etwa einer Stunde sicherlich über 500 Läufer vor mir befanden.
Mit der Dämmerung wurde es nun auch rasch wärmer und die Temperaturen kletterten bis zum Mittag auf für die Jahreszeit ungewöhlich hohe 28°C. In Abständen von etwa zwei Kilometern gab es Verpflegungsstellen, bei denen man sich mit Wasser Abkühlung verschaffen konnte. Immer noch gab es kaum Stellen, an denen sich keine Zuschauer postiert hatten. Vielen hatten sich bereits am Vortag Areale abgesperrt, auf denen sie nun mit Grill und Getränken den Tag verbrachten. Mir fiel auf, dass ich mit fortschreitender Renndauer immer häufiger angefeuert wurde und zwar in erster Linie von weißen Südafrikanern. Den Schwarzen gefielen besonders meine weißen Kompressionssocken, die immer wieder Gekicher hervorlockten.
Die Marathondistanz durchlief ich bei 3:08 h und dann kamen noch zahlreiche zum Teil schwere Anstiege. Der Gesamtaufstieg beträgt 1600 Höhenmeter und das bekam man dann auch zu spüren. Etwa 7 km vor dem Ziel stand mit Polly Shortts noch ein 2 Kilometer langer sehr schwerer, steiler Anstieg an, bei dem wirklich die letzten Kräfte mobilisiert werden mussten. Steil ging es hinab nach Pietermaritzburg, eine schwierige Passage. Die letzten 1,5 Kilometer sollte man dann genießen können. So viele Zuschauer bei einem Ultramarathon habe ich noch nie erlebt. Beim Einlauf ins Stadion war der Lärmpegel immens hoch. Ich erreichte das Ziel schließlich in gut 6:32 h als 57. Im Areal für die internationalen Gäste wartete ich auf die Zielankunft der restlichen Mitglieder unserer Reisegruppe. Frans, unser Reiseleiter, war völlig aus dem Häuschen. Er freute sich mit uns allen. Später wird er sagen, es sei der glücklichste Tag in seinem Leben.
Nach etwa 20 Minuten lief Maria Bak, die dreimalige Siegerin, in 6:53 h ein. Nun warteten wir auf Nicole, die eine Endzeit von 7:45 angestrebt hatte. Bei den einsehbaren Zwischenzeiten wurde jedoch klar, dass sie Probleme hatte (aufgrund eines Infektes), so dass überraschenderweise Eva, die bislang kaum Erfahrungen im Ultralanglauf aufzuweisen hatte, lockeren Schrittes in 9:25 die Ziellinie passierte. Etwa eine halbe Stunde später kamen dann Nicole, Uli und Michael gemeinsam in den Zielbereich.
Natürlich blieben wir alle noch bis zum Zielschluss nach zwölf Stunden im Stadium. Denn was sich hier in den letzten Minuten vor 17.30 Uhr abspielte, war unbeschreiblich. Eine derartige Begeisterung für diejenigen, die gerade noch im Zeitlimit blieben, ist für unsere Verhältnisse einfach phänomenal. Hier bekam jede Athletin und jeder Athlet höchsten Respekt entgegen gebracht. Diejenigen, die in diesem Jahr an der Zeitbegrenzung scheiterten, werden es im kommenden Jahr erneut versuchen.
Die Teilnahme an diesem Lauf war ein sehr schönes Erlebnis. Soviel Begeisterung und Anerkennung für den Ultramarathonlauf sind in Deutschland auch nur ansatzweise nicht zu finden. Also, auf nach Südafrika!
Rangliste der deutschen Teilnehmer 2008
|
Position
|
Vorname
|
Name
|
Startnummer
|
Zeit
|
AK-Platz
|
AK
|
|
57
|
Stefan
|
Hinze
|
27384
|
06:32:20
|
10
|
40 - 49
|
|
120
|
Maria
|
Bak
|
4104
|
06:53:32
|
2
|
40 - 49
|
|
515
|
Volker
|
Isigkeit
|
57188
|
07:40:18
|
109
|
40 - 49
|
|
794
|
Peter
|
Schulze
|
48166
|
08:04:54
|
188
|
40 - 49
|
|
833
|
Jens
|
Neumann
|
41462
|
08:07:42
|
419
|
30 - 39
|
|
899
|
Erwin
|
Franz
|
9853
|
08:12:20
|
213
|
40 - 49
|
|
1230
|
Christoph
|
Randt
|
39342
|
08:31:04
|
43
|
50 - 59
|
|
1309
|
Ullrich
|
Zach
|
41354
|
08:34:53
|
49
|
50 - 59
|
|
2125
|
Martin
|
Roos
|
41377
|
09:08:40
|
561
|
40 - 49
|
|
2240
|
Damian
|
Zmudzinski
|
46767
|
09:14:31
|
1005
|
30 - 39
|
|
2442
|
Eva
|
Hassel
|
12033
|
09:25:41
|
54
|
40 - 49
|
|
2884
|
Frank
|
Hamel
|
39300
|
09:42:17
|
793
|
40 - 49
|
| 2904 | Frank | Richter | 46768 | 09:43:12 | 800 | 40 - 49 |
|
3141
|
Eckart
|
Meyke
|
27381
|
09:50:59
|
18
|
60 +
|
|
3162
|
Klaus
|
Neumann
|
8272
|
09:51:43
|
235
|
50 - 59
|
|
3163
|
Jan
|
Firnges
|
41416
|
09:51:47
|
1316
|
30 - 39
|
|
3399
|
Ulrich
|
Tomaschewski
|
30303
|
09:57:56
|
264
|
50 - 59
|
|
3400
|
Nicole
|
Kresse
|
55321
|
09:57:56
|
122
|
30 - 39
|
|
3401
|
Michael
|
Bischoff
|
39834
|
09:57:56
|
949
|
40 - 49
|
|
3499
|
Benedikt
|
Burwinkel
|
41750
|
10:01:05
|
1422
|
30 - 39
|
|
3734
|
Klaus
|
Kastmann
|
27382
|
10:08:32
|
313
|
50 - 59
|
|
4398
|
Bernd
|
Seidel
|
27383
|
10:28:11
|
40
|
60 +
|
|
4409
|
Bernd
|
Mauz
|
36058
|
10:28:26
|
1239
|
40 - 49
|
|
5494
|
Joerg
|
Walther
|
41471
|
10:52:44
|
547
|
50 - 59
|
|
5752
|
Gerd
|
Duerr
|
41473
|
10:56:47
|
574
|
50 - 59
|
|
6799
|
Wolfgang
|
Menzel
|
31429
|
11:27:28
|
717
|
50 - 59
|
|
7018
|
Elke
|
Rayer
|
41779
|
11:33:31
|
450
|
40 - 49
|
|
7434
|
Silke
|
Lock
|
44990
|
11:42:35
|
406
|
30 - 39
|
|
7850
|
Imke
|
Siegerist
|
42904
|
11:50:02
|
443
|
30 - 39
|
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